Den naechsten Tag war'n wir (Flo, Tanja und ich) noch in Isla Negra, einem kleinen Doerfchen, indem der im spanischsprachigen Raum bekannte Dichter Pablo Neruda eines seiner etlichen Haeuser hatte, das inzwischen aber zu einem Museum umfunktioniert worden ist. Uns hat das Haus irgendwie nicht so angemacht, also ham wir beschlossen keinen Eintritt zu bezahlen und sind lieber ein bissel die Kueste entlanggelaufen, die dort wunderschoen ist und an der ein kleines Traumhaeuschen neben dem anderen steht. Was mir dabei besonders gut gefallen hat ist, dass irgendwie jeder beim Hausbau darauf geachtet hat Natursteine zu verwenden, sodass es zusammen mit einem schoenen Garten meistens richtig schoen in die Landschaft passt...:-)
Jau, unter der Woche war nicht soviel los. Dienstags war ich in der Uni im Innenhof schwimmen, war der einzigste, sodass ich von den anderen Chilenen nur unglaeubig begutachtet worden bin. Der Direktor vom Sportinstitut, mit dem ich letzte Woche noch geredet hab', meinte auf meine Frage hin, warum denn hier keiner schwimmt, dass die Chilenen ein bisschen bequem seien und erst ins Wasser gehen wenn es waermer ist (aber es war auch saukalt, vielleicht so 16 Grad)...Hab' dann noch gefragt wann denn die Leute von der Uni immer in der Escuela Naval (hat ein olympisches Hallenbad mit 50-Meter-Bahnen) mit Trainer schwimmen geh'n und da er das nicht genau wusste, hat er gleich von seinem Handy aus den Schwimmtrainer angerufen und das Handy an mich weitergereicht, sodass ich selbst nachfragen konnte...:-) Schwimmstunde ist 3 mal die Woche, ich kann jedoch nur einmal (freitags), weil ich an den beiden anderen Tagen leider Spanisch hab'...
Auf jeden Fall war ich dann letzten Freitag gleich mit den Jungs vom Schwimmteam der Uni schwimmen und ich sag' euch, die geh'n ganz schoen ab. Auf Kurzstrecken kann ich 'ne Weile mithalten, aber, die ham einfach mehr Kondition, klar schwimmen ja auch 3 mal die Woche, seit 8 Jahren oder mehr...Parallel zum Schwimmteam werden den Anfaengern freitags auch die einzelnen Schwimmstile beigebracht, sodass ich einen gesehen hab', der sich wohl irgendwie ueberanstrengt hat und 'ne ganze Weile am Beckenrand ueber dem Muelleimer gehangen ist und sich uebergeben hat...:-)
Freitagabends ging's dann noch nach Viña auf 'ne Party von Camila aus Santiago, die waehrend dem Semester ja auch hier (nur eben in Viña del Mar) wohnt. Wir ham erstmal ewig gebraucht und glaub' 4 mal nachfragen muessen bis wir ihre WG gefunden haben. Der Wohnungsblock, indem sie lebt wirkt fuer mich irgendwie ein bissel, wie eine Insel, eingezaeunt, wie alles hier, aber halt voll gepflegt, mit Garten und Waechter und alles sehr neu... Die Party war auf jedenfall witzig, war'n so 15 Leute und Flo, Olivier aus Frankreich und ich war'n die einzigen Auslaender... Wollten eigentlich bissel frueher geh'n, weil wir Samstagmorgen fuer ein paar Tage nach Mendoza in Argentinien gefahren sind und deshalb schon wieder um 7 raus mussten. Naja, hat halt mal wieder nicht so richtig geklappt und so bin ich dann um 8 voellig uebermuedet am Busterminal gestanden und hab' mich gefragt warum ich die letzte Nacht denn unbedingt hab' feiern muessen...;-)
Die Fahrt nach Mendoza (Flo, Tobi, Jorge und ich) war auf jeden Fall ein Erlebnis, mit dem Bus die Anden zu ueberqueren hat schon was...:-) Nachdem ich ein grosses Schild gesehen hab', dass man kein Obst und Gemuese nach Argentinien einfuehren darf musste ich meine Vorraete an Mandarinen und Aepfeln essen bzw. an die anderen Mitreisenden verteilen...:-) Nach 3 Stunden an der Grenze und ein paar Stempeln durften wir dann endlich weiterfahr'n und sind zum Schluss am fruehen Abend in Mendoza angekommen. Wir sind dann erst einmal zu Fuss zu dem Hostal gelaufen, bei dem sich andere Mitreisende Studenten von der USM Zimmer reserviert haben und die zufaellig im gleichen Bus auf der Hinfahrt waren. Das Hostal, das sehr gepflegt und schoen ist, hatte zum Glueck noch mehr als genug Platz, weil derzeit noch keine Hauptsaison ist...:-) Wir sind dann abends auf jeden Fall gleich noch los um zu sehen ob an den Geruechten mit dem guten argentinischen Rindfleisch auch was dran ist und sind wirklich positiv ueberrascht worden... Zubereitet wird das Fleisch mit aehnlichen Sossen und Beilagen wie bei uns, auch Medium, nur war das Fleisch an sich halt noch einen Tick besser und auch groesser als zum Beispiel im Adler, liegt wahrscheinlich nur am argentinische Rindfleisch...;-)
Am naechsten Tag ham wir uns der selbstvorbereiteten Tour von Mara, einer der Kanadierin, die auch an der USM studiert, angeschlossen und sind von einem tollen Platz zum naechsten gelaufen und haben einen schoenen Park von der Groesse Muehlens durchquert. Zum Schluss sind wir noch auf einen grossen Huegel geklettern der wohl einen der letzten Auslaeufer der Anden darstellt, weil Mendoza von Santiago ausgesehen kurz hinter den Anden ist... Von dort aus hat man eine ewig weite Sicht ueber die Ebene, in der Mendoza liegt und auf der anderen Seite sieht man dann eben noch die Auslaeufer der Anden mit den schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund. Mendoza an sich erinnert auf jedenfall stark an Italien, es gibt viele mit Baeumen bepflanzte Alleen, die Haeuser haben Stil und v.a. auch Dachziegel (;-) ) und auch die Leute sehen eher europaeischer aus, sprich sie sind nicht so klein und moppelig, wie die Chilenen...;-) Auch wenn es wirtschaftlich mit Argentinien seit einigen Jahren bergab geht hab' ich, zumindest von Mendoza, den Eindruck, dass es mehr Kultur und auch etwas mehr Wohlstand als in Chile zu geben scheint...
Wir war'n dann am Montag auf'm Land in der Naehe von Mendoza ein Stueckchen in den Anden. Das unwirkliche Oertchen mit ca. 500 (grob geschaetzt) Einwohnern hiess Potrerillos und liegt direkt an einem Stausee. Die frische Luft und die Ruhe hat auf jeden Fall gut getan und nach einem kleinen Flaeschchen Wein ham wir dann in dem dorfeigenen Park erst mal 'ne Runde geschlafen...:-)
Dienstag war'n wir noch eins von den beruehmten Weinguetern Mendozas besichtigen mit anschliessender Weinprobe und laengerem Aufenthalt im dortigen Vorgarten...;-) Das Gute daran war, dass die anderen den Tag vorher mit einer Touritour mit dem Fahrrad dort schon verschiedene Weingueter angeschaut hatten und wir somit wussten welches das beste ist. Wir sind dann direkt mit dem Nahverkehr dorthin, weil die anderen gemeint haben man muss mit dem Fahrrad die ganze Zeit an so 'ner haesslichen Strasse entlang fahren, haben somit Geld gespart und konnten dafuer mehr Wein probieren...;-)
Sind dann noch relativ lang mit so 'nem Bus zurueck nach Mendoza unterwegs gewesen und ich musste dringend auf's Klo und hab' mich tierisch gefreut als wir endlich beim Hostal waren...:-)Mussten uns dann auch recht beeilen, weil unser Bus zurueck nach Valpo schon um halb 11 am Terminal in Mendoza abgefahren ist. Die Rueckfahrt war entsprechend anstrengend, weil wir doch nicht so viel die Tage geschlafen hatten und v.a. der Aufenthalt am Grenzuebergang war tierisch nervig. Der Abschuss an der Grenze war, dass einer der Kollegen die immer Gepaeck ausladen muessen und fuer die vorher Geld eingesammelt wurde meinte, dass die "Propina" (Trinkgeld) wohl zu gering gewesen sei und alle Fahrgaeste noch ein bisschen geben sollten, bevor sie weiterarbeiten wuerden. Die ganze Sache war eh so 'en bissel komisch, irgendwie voll militaerisch, mussten uns so in 'ner Reihe auftsellen, damit vor unseren Augen das Gepaeck durchleuchtet wird und der ein oder andere auspacken musste (wahrscheinlich ist dieses Vorgehen ein Ueberbleibsel aus der Zeit Pinochets)...Da sind wir in Europa schon recht verwoehnt mit offenen Grenzen und allem...
Am Mittwochmorgen um halb 6 sind wir dann in Valpo angekommen und ham 'nen Collektivo-fahrer gefunden (Micros fahr'n um die Uhrzeit noch nicht), der uns fuer wenig Geld bis nach Hause gefahren hatte, was eigentlich nicht normal ist, weil die Collektivos feste Routen haben. Der hat mir dann erklaert, warum sie soviel billiger sind als die Taxis, die zaehlen naemlich zu den oeffentlichen Verkehrsmitteln und zahlen somit hier irgendwie keine Steuern auf den Sprit..
Am Donnerstag war dann noch der 18. September, so ein Volksfeiertag, an dem die Unabhaengiegkeit von Chile gefeiert ist und so ziemlich alle aus dem Haeuschen sind... Mittags war'n wir auf einer "Feria", was vielleicht mit unserem Volksfest vor 40 Jahren vergleichbar ist... Abends ging's da nochmal hin und ganz spaet Abends noch in die Stadt, ein bissel feiern...:-)
Gestern war dann erst mal Ruhetag angesagt mit Abends ein bissel Grillen, so war auf jeden Fall der Plan. Das Ende vom Lied war dann, dass doch wieder 25 Leute da war'n und gefeiert ham, ich aber dann irgendwann den "Franzoesischen" (hab' ich vom Marc...;-) ) gemacht und mich verzogen hab'...;-)
Heut' und morgen ist bei mir ein bissel lernen angesagt, weil ich Montag meine erste Klausur in "Ciencias de la Tierra" hab', natuerlich alles auf Spanisch, ohje.....Aber zum Glueck bin ich ja schon von ein paar englischen Vorlesungen in Stuttgart daran gewoehnt mit dem Woerterbuch zu lernen...;-)
Also dann bis zum Naechsten Mal und viele liebe Gruesse
Michi

Laguna Verde, an der Stelle fliesst der Fluss in die Bucht...

Laguna Verde, mit dem Kraftwerk im Ruecken...;-)

Chilenische Stromzaehler bei Laguna Verde...:-)

Kurz hinter dem Strand...

Blume am Strassenrand bei der Bushaltestelle von Laguna Verde...

Isla Negra neben dem Strand...

Tanja und ich am Strand...

Noch 'ne tolle Blume...:-)

Hier ein Beispiel der schoenen Haeuschen mit ihren Grundstuecken, direkt am Felsstrand...

Die suesse Bushaltestelle in Isla Negra, die aus Rigips und Leergut besteht...:-)

Blick vom Strand auf die Uni in Valpo...:-)

Bergfluss in den Anden auf der Fahrt nach Mendoza...

Die Anden...

Der Innenhof des Hostals in Mendoza...

Auf dem Plaza de Chile, von links nach rechts: Mara, die Kanadierin, Flo, Tobi, Axel aus Schweden und Jorge aus Spanien...

Auf dem Plaza de España....

Stilvolle Laterne auch dem Plaza de España...:-)

Eine von vielen Baumalleen in Mendoza...

In der Fussgaengerzone Mendozas...

Jorge kuesst ein argentinische Schoenheit...;-)

Da gab's dann in dem grossen Park in Mendoza auch 'nen Autokorso mit lauter alten Fords...

Auf dem kleinen Huegel mit Ausblick ueber Mendoza...

Und wenn man sich dann umdreht hat man den Blick auf die Auslaeufer der Anden auf der argentinischen Seite...

Es wird Nacht in Mendoza, auf dem Heimweg von dem Huegel auf Hoehe des Parks...

Wer muede ist braucht sich um dumme Fotos nicht zu sorgen...;-)

Das unwirkliche Dorf Potrerillas mit Stausee in den Anden...

Hier der See vom Ufer aus...

Kleine Kapelle am Ufer des Stausees...

Schattenwurf der Anden kurz vor Sonnenuntergang...

Zufahrtsstrasse zu Potrerillas...

Auf dem Weingut "Viña del Cerno" in der Naehe von Mendoza...

Mein Lieblingswein von der Probe...:-)



